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Frühes Zeugnis eines großen Regietalents
• • • • • (bewertet mit 4 von 5 Punkten)
Fatih Akins erster Spielfilm trägt erkennbar noch Anzeichen eines Anfängerfilms. Nicht jede Einstellung besticht durch ein exzellentes Szenenbild, nicht ganz aus einem Guss ist die Handlung, in der die Unterweltkrimi-Elemente nicht auserzählt sind, sondern sich etwas unentschlossen am Rande der Haupthandlung bewegen. Die wird dominiert von dem multikulturellen Triumvirat Gabriel, Bobby und Costa, einem Türken, einem Serben und einem Griechen, und setzt ein mit Gabriels Entlassung aus dem Gefängnis sowie dessen festem Vorsatz, nicht rückfällig zu werden. Bobby, ein Unterwelt-Emporkömmling von Scorsese'schen Ausmaßen, steht dem mit seinen kriminellen Ambitionen jedoch im Wege. Die Milieu-Szenen, insbesondere die Inszenierung eines türkischen Familienfestes zu Beginn, sind hervorragend ins Bild gesetzt und erinnern an die großen Mafia-Epen Der Pate , Es war einmal in Amerika und Good Fellas. Nach einer recht langen Exposition, die diese Genre-Vorbilder nicht verleugenen kann noch will, entwickelt sich, unterbrochen immer wieder von "comic-relief"-Elementen (für einen sorgt der Regisseur als den Drogen abschwörender Kiez-Kumpel gleich selbst), eine von den verschiedenen Zugkräften innerhalb des Dreiergespanns ausgelöste Reihe von Konflikten, die in eine Katastrophe münden: Bobby entschließt sich in großem Stil bei dem Zuhälter Muhamer einzusteigen, was seine Frau in die Arme seines besten Freundes Gabriel treibt. Dazwischen steht Costa, der verkraften muss, dass seine große Liebe, Gabriels Schwester, nichts mehr von ihm wissen will.
Das sichere Gespür, die dramaturgische Souveränität und zugleich die Leichtigkeit, mit der Fatih Akin die sich aus der von ihm ersonnenen Figurenkonstellation ergebenden Verwicklungen entfaltet und stilsicher auf ihren tragischen Höhepunkt zusteuern lässt, und das mit einer Besetzung, die so locker spielt, als handelte es sich um eine Auswahl seiner besten Altonaer Kneipen-Kumpels, das alles offenbart bereits in diesem frühen Stadium das große Talent des Autors und Regisseurs. Noch vollendeter und reifer, sowohl optisch als auch erzählerisch, wirkt die Umsetzung eines thematisch ganz ähnlichen Stoffes übrigens in dem von Akin Jahre später produzierten Milieu-Krimi Chiko.
Für Freunde von Scorsese und alle, die Moritz Bleibtreu in diesem Film nicht vermissen.
Eine Rezension von Dr. M. "film-o-meter" > Aßlar
vom 7. Mai 2010 | | | | | | | |
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